Green Talents competition 2018 – Call for application

The German Federal Ministry of Education and Research (BMBF) hosts the prestigious ”Green Talents – International Forum for High Potentials in Sustainable Development” to promote the international exchange of innovative green ideas. The award, under the patronage of Minister Anja Karliczek, honours young international researchers each year. The winners come from numerous countries and scientific disciplines and are recognised for their outstanding achievements in making our societies more sustainable. Selected by a jury of German experts the award winners are granted unique access to the country’s research elite.

Do you know an up-and-coming scientist abroad or someone living in your country of origin with inventive ideas and a strong focus on sustainable development? Does his or her research have the potential to change the world? Please, forward this information and the attached flyer to befriended scientists, who fullfill the following requirements:

  • at least Master student´s degree or PhD degree (may not date back more than three years)
  • focus on sustainability research
  • no resident in Germany, no German passport, but international applicants from all over the world
  • good English skills

The winners will be invited to Germany for a biweekly science forum, during which they visit important stations in German sustainability research and meet German experts for one-on-one discussions.
For further information, please refer to the attached competition flyer and the webpage of “Green Talents”: www.greentalents.de

The award is open to all disciplines as long as they are related to sustainable development.

Deadline for submission: 23 May 2018, 2 p.m. CEST.

Warum klimapolitische Experimente (nicht) gelingen: Die Abwesenheit deutscher Kommunen vom Konvent der Bürgermeister

Die Klimapolitik der Europäischen Union stützt sich nicht allein auf Regulierung und finanzielle Anreizinstrumente. Die Europäische Kommission experimentiert außerdem mit freiwillige Programmen, um flexibel auf lokale Bedingungen einzugehen und weitere Akteure einzubeziehen, etwa Unternehmen oder Kommunen. Erfahrungen in verschiedenen Ländern mit zwei derartigen Programmen waren Thema eines Workshops am 20. März 2018 an der Universität Padua. Lena Bendlin erklärte die überraschend geringe Beteiligung der eigentlich so klimaaktiven deutschen Kommunen im Konvent der Bürgermeister. Der Konvent lädt Kommunen ein, sich freiwillig den Klima- und Energiezielen der EU zu verpflichten. Die Unterzeichner müssen regelmäßig über ihre Pläne und die Fortschritte bei der Umsetzung berichten – oder einen Ausschluss aus dem Programm befürchten. Im Gegenzug erhalten die Unterzeichner wenig mehr als Zugang zur Berichtsmethodologie des Konvents und die symbolische Anerkennung durch die Europäische Kommission. Trotzdem sind dem Konvent seit 2008 über 7.000 Kommunen beigetreten. Das laufende Forschungsprojekt der Universität Padua zeigt, dass dieses Angebot vor allem für Kommunen attraktiv ist, denen keine anderen Planungsinstrumente zur Verfügung stehen. In Italien etwa ist der Konvent daher stark vertreten. In Deutschland ist die Entwicklung der kommunalen Klimapolitik weiter fortgeschritten, zeigte Lena Bendlin auf. Zahlreiche Kommunen haben seit den frühen 1990er Jahren eigene Planungsinstrumente entwickelt. Finanzierungsinstrumente der Nationale Klimaschutzinitiative tragen dazu bei, die freiwillige Aufgabe weiter in die Breite zu tragen. Ein zusätzliches Berichtsformat findet daher wenig Akzeptanz, umso mehr, als die Anerkennung der EU nicht erforderlich ist, um kommunale Klimapolitik gegenüber der Bundesregierung oder der lokalen Bevölkerung zu legitimieren: Sie ist schlicht längst Normalität. Deutsche Kommunen haben zudem bereits eigene Netzwerke, um klimapolitische Innovationen zu diskutieren – zusätzliche Lerneffekte über den Konvent sehen sie nicht. Damit entgehen dem Konvent große Teile der klimapolitischen Erfahrungen und Ergebnisse deutscher Kommunen, sowohl für die Datenbank der Europäischen Kommission als auch für ein mögliches Lernen zwischen europäischen Kommunen. Das konnten auch wiederholte Überarbeitungen des Konvents nicht grundlegend ändern. Auch für klimapolitische Experimente gilt also: One size doesn’t fit all.

Die Doktorarbeit von Lena Bendlin zum Konvent der Bürgermeister entstand im Rahmen des Transformations-Cluster der Heinrich Böll Stiftung. Du kannst sie unter diesem Link finden: http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschung/systeme/ffu/team/ehemalige_doktoranden_habilitanden/bendlin_lena/index.html

Speak up for science

Ihr seid Nachwuchswissenschaftlerinnen oder Nachwuchswissenschaftler und interessiert euch für Wissenschaftskommunikation? Ihr findet es wichtig, öffentlich über Wissenschaft und eure Forschung zu sprechen, aber findet wenig Wertschätzung dafür? Ihr wollt euch einsetzen für ein neues Verhältnis zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit? Dann kommt zur offenen Konferenz SPEAK UP FOR SCIENCE am 15. und 16. September 2017 in Berlin!

 

Clustermitglied Maik Günther mit akademischen Auszeichnungen

Clustermitglied Maik Günther, Doktorand der Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin, hat den zfo-Preis für Nachwuchswissenschaftler (Bestes Konferenzpapier aus Reihen des wissenschaftlichen Nachwuchses) auf der diesjährigen Jahrestagung der Wissenschaftlichen Kommission für Organisation im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft im Februar in Hamburg gewonnen. Der zusammen mit George Ferns (University of Edinburgh) verfasste Beitrag über die Stigmatisierung der globalen Energieindustrie (“Constructing Stigma: The Case of Fossil Fuel Divestment”) wird auch auf der Academy of Management-Konferenz im August in Atlanta (USA) als Best Paper Finalist ausgezeichnet.

zfo-Preis 2017

Gesellschaftliche Transformation und Landwirtschaft – Besuch am ZALF

Von Anna Hampf

Am 27. April 2017 trafen PromotionsstipendiatInnen des Themenclusters „Transformationsforschung“ der Heinrich-Böll-Stiftung mit ExpertInnen des ZALF e.V. in Müncheberg zusammen, um gemeinsam über die Rolle der Landwirtschaft im Transformationsprozess zu mehr Nachhaltigkeit zu sprechen.

Der Begriff der „Großen Transformation“ wurde im Jahr 2011 vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU, 2011) neu geprägt und meint den Umbau von Industriegesellschaften hin zu einer klimaverträglichen, ressourcenschonenden und nachhaltigen Weltwirtschaftsordnung. Die Landwirtschaft ist neben der Urbanisierung und dem Energiesektor eines von drei zentralen Transformationsfeldern und steht vor besonderen Herausforderungen: sie muss einerseits dem steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Bioenergie und stofflich genutzter Biomasse gerecht werden, andererseits ist sie für etwa ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, die es zu reduzieren gilt, um das auf der UN-Klimakonferenz in Paris (COP 21) gesteckte Ziel der maximalen Erderwärmung auf 2°C zu erreichen.

Das interdisziplinär aufgestellte Promotionscluster sprach mit Dr. Marcos Lana vom Institut für Landnutzungssysteme über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und mögliche Anpassungsstrategien am Beispiel des Bundesstaates Santa Catarina in Brasilien. Dr. Stefan Sieber und Michelle Bonatti vom Institut für Sozioökonomie gaben einen Einblick in die Herausforderungen der ländlichen Bevölkerung in Tansania sowie mögliche Innovationsstrategien für mehr Ernährungssicherheit. Doktorandensprecher Martin Schmidt vom Institut für Landschaftssystemanalyse berichtete von seinen Erfahrungen aus einem Projekt zur Resilienz Steigerung und Einkommensdifferenzierung des halb-nomadischen Afar-Volkes in Äthiopien. Ein lokales Beispiel für die Rolle der Landwirtschaft im Transformationsprozess, stellte Maria Busse vom Institut für Sozioökonomie vor, die sich in ihrer Doktorarbeit mit akzeptanzsteigernden Maßnahmen von Nachhaltigkeitsinnovationen im Biosphärenreservat Spreewald beschäftigt. Abgerundet wurde das Programm durch einen Besuch der Feldversuche unter Leitung von Dr. Dietmar Barkusky, der mit dem Cluster über ökologischen Landbau und Alternativen zum Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel sprach.

In einem abschließenden Welt-café diskutierten die PromotionsstipendiatInnen der Heinrich-Böll-Stiftung darüber, welche allgemeinen Bedingungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Landnutzung es gibt und wie die Landwirtschaft vom Verursacher zum Vermeider des Klimawandels werden kann.

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Transformationstagung in Stuttgart 24.-26. März 2017

Und hier die Einladung zur nächsten Tagung über und mit der Großen Transformation – ich hoffe, wir sehen uns dort!!

Wir sind schon mittendrin… und fangen gerade erst an!!
Transformationstagung, 24. März bis 26. März 2017
Forum 3, Gymnasiumstrasse 21, Stuttgart

Mit Sarah van Gelder, Yes Magazine, USA | Fabian Scheidler, Kontext TV, D | Pam Warhurst, Incredible Edible, GB | Belkacem Amarouche, Front des Forces Socialistes, Algerien/Belgien | Torbjørn Eftestøl, Musiker, N | Prof. Andreas Meyer-Brennenstuhl, Künstler, D | Angelika Schall, Monte Azul, D | Valeria Carrilho, Monte Azul, Br | u.a.
Tagungssprache deutsch, teilweise englisch und französisch mit Simultanübersetzung
http://transformationstagung.org/

Ausgelöst durch globale Krisen, wird seit einigen Jahren von einer Großen Transformation gesprochen, die, wenn sie richtig erfasst wird, zu einer ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Weltgesellschaft führen kann, die aber auch in noch schwerwiegendere Katastrophen münden könnte.

Aber: Was ist eigentlich Transformation?
Wie kann sie angestoßen oder gestaltet werden? Müssen wir uns erst selbst ändern und sind wir dann schon die Veränderung? Wollen wir überhaupt eine echte Umwandlung unserer Lebensweise, die allen jetzt und zukünftig lebenden Menschen ein lebenswürdiges Leben ermöglicht? Was hindert die Menschheit daran, die Transformationsschritte zu gehen, die schon offen sichtlich erkennbar sind?
Geht es um die transformierte, oder um die sich transformierende Gesellschaft?

Unsere Tagung wird darauf wohl noch keine Antworten geben, aber wir wollen mit Euch zusammen diese Fragen stellen. Das Vorbereitungsteam lädt Euch ein, schon jetzt über unsere Thesen und die Beiträge unserer Gast-ReferentInnen nachzudenken.
Zum Beispiel über Sarah van Gelders Aufruf, was nach Trumps Amtsantritt zu tun wäre, oder ihre 12.000 Meilen-Reise durch eine neue USA, in der Menschen von Grund auf die Lebensverhältnisse ändern. Oder Fabian Scheidlers Geschichte der Megamaschine, deren Transformation wir anstreben. Wie in Armutsvierteln in Sao Paolo schon jetzt eine Transformation durch die Achtung vor dem Andren gelingt. Oder ihr könnt Euch schon mal in Trobjorn Eftestols Soundcloud einhören.

Wir sind gespannt, was dabei am Ende entsteht, denn: Eine echte Transformation kann nicht geplant, aber mitgestaltet werden.

Teilnahmegebühr (mit Pausengetränken, ohne Mahlzeiten)
75 euro / erm. 40 euro

Information und Anmeldung
Colibri – Beiträge für eine menschenwürdigere Welt e. V.
Nauklerstraße 13 | 72074 Tübingen
Carol Bergin
info@transformationstagung.org
Telefon 07071-7 255608

Städte als Treiber und Adressaten transformativer Politiken durch die Bevölkerung: 2 Beispiele lokaler Initiativen im Verkehrsbereich

von Saskia Ellenbeck und Kerstin Stark

Transformationspolitiken werden in wissenschaftlicher Hinsicht häufig auf nationaler oder globaler Ebene untersucht, die lokalen und mikropolitischen Aushandlungsprozesse bekommen dagegen weniger Aufmerksamkeit. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Klimaziele und Strategien auf den großen UN-Weltklimagipfeln von Vertreter*innen der Mitgliedstaaten verhandelt werden und im Verlauf die Länder für deren Umsetzung bei sich zu Hause verantwortlich sind. Hier sind Strategien und politische Instrumente gefragt, die den Transformationsprozess auslösen, verstärken oder auch in geordneten Bahnen verlaufen lassen sollen. In Deutschland ist das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) dafür ein Beispiel, mit dem im Bereich der erneuerbaren Energien Innovationen entwickelt und verbreitet wurden. Nichtsdestotrotz sind die Emissionen im Stromsektor nicht gesunken und der Anteil der Kohle bei der Stromerzeugung ist konstant bzw. stieg sogar zwischen 2009 und 2013 an. Daran zeigt sich, dass eine Abkehr von fossilen Energieträgern nicht alleine durch Innovationen gelingt – es verlangt auch eine explizite Exnovationsstrategie. Das heißt eine aktive Ausstiegspolitik aus der fossilen Energiegewinnung. Der Ausstieg scheitert bisher an den starken Interessen der fossilen Energiewirtschaft und ebenso an der Sorge vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und letztlich auch von Wähler*innenstimmen – zum Beispiel  in der Lausitz, wo Wirtschaftsstruktur und Identität stark mit dem Bergbau verknüpft sind. Die Transformation des Verkehrssektors ist sogar noch weniger erfolgreich als im Energiebereich. Sind es im ersten Fall vielfach die Regionen, die den Wandel ausbremsen, liegt der Fall im Verkehrsbereich etwas anders. Dort sind es gerade die Städte und Regionen, die Innovationen und Wandel hervorbringen, während auf nationaler Ebene bisher wenig Impulse gesetzt werden. Insbesondere die so wichtigen sozialen Innovationen, das heißt ein Wandel von Routinen, Handlungsweisen und Lebensentwürfen, sind auf lokaler Ebene bereits in vollem Gange. Immer mehr Menschen ziehen in Städte, Familienstrukturen ändern sich und damit die Mobilitäts- und Wohnumfeldbedürfnisse. Die Stadt der kurzen Wege ist für viele Menschen eine Vision, für die es sich zu kämpfen lohnt und nicht etwas, das Verzicht und Einschränkung mit sich bringt. Immer mehr Lastenräder ersetzen das eigene Auto zum Transport von Dingen und Kindern in der Stadt. Fahrradfahren ist ein Megatrend, die Radverkehrsanteile steigen in vielen Ländern der ganzen Welt, insbesondere dort, wo die Automobilität den Städten ständige Verkehrsinfarkte, Smog und zersiedelte Wohnwüsten gebracht hat. Wie das durch lokale Initiativen aufgenommen und genutzt wird, möchten wir anhand zweier Beispiele vorstellen, bei denen wir persönlich involviert sind.

Agora

Städte als Treiberinnen von neuen Wegen im Verkehrsbereich: der Volksentscheid Fahrrad in Berlin

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Zu Beginn der Koalitionsverhandlungen hat sich der Volksentscheid Fahrrad mit Kuchen und Rad-Keksen noch mal bei den Parteien in Erinnerung gerufen.

Im November 2015 hat sich die Initiative Volksentscheid Fahrrad in Berlin gegründet, um die Stadt nach jahrelangem Stillstand im Bereich Radverkehr endlich zum konsequenten Handeln zu bringen. Der damals SPD-dominierte Senat hatte 2011 eine zunächst vielversprechende Radverkehrsstrategie veröffentlicht, diese aber nicht umgesetzt. Ein entscheidendes Problem, neben fehlendem politischen Willen und Personal, war das Fehlen einer Umsetzungsstrategie mit klaren Zeithorizonten und nachprüfbaren Teilzielen. Die Initiative hat sich dem angenommen und ein Gesetz, das Radverkehrsgesetz (RadG) geschrieben und das direktdemokratische Verfahren des Volksentscheids angestoßen. Im Gegensatz zu einer “Strategie” ist ein Gesetz verbindlich, außerdem enthält das RadG klare Zeitvorgaben und Einzelziele, zu denen Verbesserungen der Radverkehrsinfrastruktur gehören, aber auch Personalaufbau und Vorgaben zum Management der angestrebten Radverkehrswende. Das Instrument des Volksentscheids ist vor allem indirekt machtvoll: Die politischen Verantwortlichen müssen die Initiative und ihr Anliegen ernst nehmen und sich dazu verhalten. Im besten Fall ist kein eigentlicher Volksentscheid, also die Abstimmung über das Gesetz, mehr nötig, weil sich die Politik auf die Initiative zubewegt und auf das Anliegen eingeht. Im Fall des Volksentscheids Fahrrad haben eine erfolgreiche Öffentlichkeitskampagne sowie ausgiebige Netzwerkarbeit mit den Oppositionsparteien und Umwelt- und Radverkehrsorganisationen die nötige Aufmerksamkeit der Politik erzielt. Schwer wiegt auch die Unterstützung durch die Berliner Bevölkerung: Im letzten Sommer haben die Initiative und zahlreiche Unterstützer*innen mit mehr als 105.000 Unterschriften die 5-fache Menge der nötigen 20.000 Unterschriften in nur drei Wochen für die erste Etappe des Volksentscheidverfahrens gesammelt. Womöglich hat das Thema Radverkehr auch den Wahlausgang beeinflusst. Der neue Senat aus Rot-Rot-Grün hat gleich ein Mobilitätsgesetz im Koalitionsvertrag festgeschrieben mit dem Radverkehrsgesetz als Basis. Die Initiative und ihr Trägerverein sind im Begriff, sich zu einer Advokatin für die Radverkehrswende zu entwickeln, die mit der Politik verhandelt, Mindeststandards vorgibt und die Umsetzung der Wende kritisch begleitet. Geplant ist auch Initiativen in anderen Städten auf den Weg zu bringen und zu unterstützen.

Weitere Informationen unter https://volksentscheid-fahrrad.de, auf Facebook unter @VolksentscheidFahrrad und Twitter unter @radentscheid.

Volksentscheid Fahrrad: die Aktivisten haben in gut drei Wochen ca. 107.000 Unterschriften gesammelt.
Jubel nach der Übergabe von 105.425 Unterschriften an die Senatsverwaltung.

Städte als Adressaten der EU-Luftqualitätsrichtlinie: das Feinstaubwarnsystem des Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln

Smog

In der EU-Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG ist geregelt, welche Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft in der EU gelten. Diese Richtlinie ist in deutsches Recht umgesetzt und gilt daher auch in deutschen Städten. Nichtsdestotrotz werden die Grenzwerte vielerorts überschritten – sei es im Bereich Feinstaub durch Reifenabrieb, Kohleheizungen oder Abgase oder im Bereich Stickoxide, die besonders durch Dieselautos in der Stadt emittiert werden. In Berlin wurden 2015 an allen verkehrsnahen Messstellen die Grenzwerte für Stickstoffdioxid im Jahresmittel überschritten. Der Berliner Bezirk Neukölln ist gleich mit zwei Straßen in den Top 10 der besonders feinstaubbelasteten Straßen Deutschlands vertreten. Grenzwertüberschreitungen werden jedoch durch die verschiedenen Städte und Kommunen sehr ungleich bewertet und angegangen. Während einige Städte ihre Bewohner*innen bei Überschreitungen warnen und Smog- oder Feinstaubalarm ausrufen (wie kürzlich in Paris oder auch seit einiger Zeit in Stuttgart), verhalten sich andere Städte eher passiv. Berlin hat nach Einführung der Umweltzone, die nur mit Grüner Plakette befahren werden darf, keine weiteren Maßnahmen umgesetzt – trotz der gesundheitsgefährdenden Luftwerte. Noch nicht mal Aufrufe zum freiwilligen Verzicht auf Autofahrten an den fraglichen Tagen werden von Senatsseite aus getätigt. Daraufhin hat das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln einen ersten Schritt getan und neben Demonstrationen und anderen Protestformen ein Feinstaubwarnsystem entwickelt, über das sich jede und jeder in Deutschland lokal über die Feinstaub und Stickstoffdioxidwerte informieren kann und bei Gesundheitsgefährdung per Email gewarnt wird (http://nsfw.fahrradfreundliches-neukoelln.de/de/). Bei mehrtägigen Überschreitungen werden spontan Mahnwachen oder Demonstrationen veranstaltet.

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Husten- Wir haben ein Problem!- Demo des Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln

In diesem Fall ist die Stadt also Adressat einer supranationalen Regulierung, welche wiederum von der Bevölkerung aufgegriffen wurde, um von unten Druck auf die kommunale Verkehrspolitik und Stadtplanung auszuüben.

Conclusio

Globale und nationale Abkommen und Richtlinien und die verbundenen Förderprogramme sind als Impulsgeber für Innovationen wichtig und nötig. Aber auch die lokale Ebene und zivilgesellschaftliche Aktivitäten sind als Treiber des Wandels ernstzunehmen, insbesondere wenn es um den aktiven Ausstieg, also um die Exnovation von klimaunfreundlichen Technologien und Verhaltensweisen, geht. Auf lokaler und regionaler Ebene ist aus unserer Erfahrung Engagement für die Transformation besonders fruchtbar, weil viele Menschen alltagspraktische Vorteile transformativer Praktiken erleben können. Das steigert die Akzeptanz und motiviert  zur nachhaltigen Verhaltensänderung.

Demnächst in Leipzig: Transformation von unten – vom Handeln zum Wissen

Tagung Transformation von unten – Vom Handeln zum Wissen,
3./4. Februar 2017, Leipzig

Was macht transformatives Lernen aus im Zusammenhang mit Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung? Wie arbeiten Umweltzentren und UmweltpädagogInnen vor Ort mit Initiativen des sozial-ökologischen Wandels, wie z.B. Reparatur-Cafés, FabLabs, urbanen Gärten oder Kleidertauschbörsen zusammen? Welches Nachhaltigkeitspotenzial haben diese jungen Graswurzelinitiativen? Und wie kann eine Postwachstumsökonomie den sozial-ökologischen Wandel voranbringen?

Zu diesen Fragen werden wir in spannenden Vorträgen gemeinsam lernen und diskutieren. In Workshops erproben wir die Methode „Design Thinking“ für die Bildung für nachhaltige Entwicklung, wir arbeiten zusammen an neuen Narrativen für den Wandel, beschäftigen uns mit Medienvielfalt und Storytelling. Wir diskutieren unsere Werte und Deutungsrahmen im Kontext des sozial-ökologischen Wandels. Und wir lernen, wie Umweltbildungseinrichtungen mit den jungen, frischen Ideen des Wandels auch Schülerinnen und Schülern Experimentierräume eröffnen und LehrerInnen zu den Themen fortbilden.

Ein Rundgang zu Alternativprojekten im Leipziger Osten, einem Stadtteil im Wandel, zeigt uns, wie die Transformation konkret vor Ort passiert. Ein Markt der Möglichkeiten stellt Aktive und Projekte vor. Und bei abendlicher „Zukunftsmusik“ geben wir gemeinsam den Ton für unsere Zukunft an!

Die Tagung richtet sich an BildungsmultiplikatorInnen aus Umweltbildung, BNE und Globalem Lernen, an Aktive aus Initiativen des Teilens, Tauschens, Selbermachens, an ReferentInnen für Öffentlichkeitsarbeit der Bildungs- und Transformationsakteure sowie an junge und junggebliebene Wandelbegeisterte.

Termin: Freitag, 03.02.2017 ab 13:30 Uhr bis Samstag, 04.02.2017, 17:30 Uhr

Ort: Leipziger KUBUS des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)

Permoserstr. 15, 04318 Leipzig

www.leipziger-kubus.de

Kosten: 60,00 Euro pro Person (Tagungsmaterialien, Verpflegung)

Anmeldung, ausführliche Workshop-Beschreibung und Flyer zum Herunterladen und Weiterverbreiten unter www.umweltbildung.de/transformation-tagung.html

Ansprechpartnerinnen: Angelika Schichtel und Lisa Lanfermann, ANU-Bundesgeschäftsstelle Frankfurt/Main, E-Mail: transformation@anu.de, Tel.: 069 – 716 733 29 31.

Die Tagung findet im Rahmen des ANU-Projektes „Vom Handeln zum Wissen – Umweltzentren als Change Agents einer Transformation von unten“ in Kooperation mit dem Konzeptwerk Neue Ökonomie in Leipzig statt. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und dem Umweltbundesamt.

Alle Infos zum Wandel-Projekt der ANU unter www.umweltbildung.de/transformation.html. Und unser Fotowettbewerb (www.umweltbildung.de/transformation-fotowettbewerb.html) im Projekt läuft auch noch!

Transformationsakademie 2017 – Perspektiven auf globale Gerechtigkeit

Hier wieder ein Veranstaltungstipp für alle, die sich ein Wochenende lang mit sozial-ökologischer Transformation beschäftigen möchten:

Transformationsakademie 2017 – Perspektiven auf globale Gerechtigkeit

Homepage Transformationsakademie

Datum: 10.02.2017 – 12.02.2017
Ort: Naturfreundehaus, Hannover
Adresse: Hermann-Bahlsen Allee 8, 30655 Hannover

Mehr Infos:
Dir schwant, dass unser Wirtschaftssystem mit der ungebremsten Ausbeutung von Natur und Menschen weltweit zu tun haben könnte? Du möchtest mehr über die globalen Zusammenhänge erfahren, um Ungerechtigkeit etwas entgegen setzen zu können? Dann bist du genau richtig auf der Transformationsakademie 2017!

Wir werden uns, wie auch in den letzten beiden Jahren, mit der sozial-ökologischen Transformation auseinandersetzen. Diesmal legen wir dabei den Fokus auf globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam wollen wir mehr über die Funktionsweise unserer Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem lernen, um fundiert Kritik üben zu können. Außerdem wollen wir uns natürlich überlegen, wo wir selbst an diesen globalen Problemen ansetzen können, um etwas – wirklich nachhaltig – zu verändern.

Wir schauen uns an, wie unsere (Welt-)Wirtschaft derzeit funktioniert, um ein paar grundlegende Fragen zu beantworten: Was ist eigentlich Kapitalismus? Was verbirgt sich hinter der Ideologie des Neoliberalismus? Was hat das alles mit Kolonialismus zu tun und gibt es ihn heute noch? Welche Herrschafts- und Machtstrukturen gibt es?

In einer spannenden Podiumsdiskussion werden wir über die Stärken und Schwächen der SDGs (die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals) debattieren und diskutieren, ob sie eine Chance für die Große Transformation sein können. Außerdem werden wir der Frage nachgehen was ‚Entwicklung‘ überhaupt ist.

Wir betrachten aber auch ganz konkrete Themenbereiche genauer, wie die Handels- und Rohstoffpolitik (vor allem mit Bezug auf Länder des Globalen Südens), Klimagerechtigkeit und Ernährungssouveränität. Nicht zuletzt wird es um progressive Perspektiven auf globale Gerechtigkeit und Entwicklung gehen, z.B. in Workshops zu Feminismus oder Postwachstum und Degrowth.

Zum Abschluss beschäftigen wir uns mit der Frage nach gesellschaftlichem Wandel. Welche Rolle kann jede*r Einzelne von uns dabei spielen und wann sind grundlegende politische und gesamtgesellschaftliche Veränderungen des Systems notwendig?

Die Transformationsakademie 2017 wird gemeinsam von der BUNDjugend und der Naturfreundejugend organisiert.