100% Erneuerbare – Herausforderungen aus systemischer, ökonomischer und politischer Perspektive

Posted by on Aug 20, 2016 in BLOG, Transformationsforschung
100% Erneuerbare – Herausforderungen aus systemischer, ökonomischer und politischer Perspektive

Einführung zum gemeinsamen Workshop von DIW, HBS und TU Berlin u.a. mit Claudia Kemfert (DIW), Berit Müller (Reiner Lemoine Institut) und Peter Kasten (Öko-Institut) am 12.05.2016

von Roman Mendelevitch, DIW

 “100%-Erneuerbare” für eine nachhaltige, klimafreundliche und demokratisch geprägte Energieversor-gung ist zwar ein altes Konzept, befindet sich aber erst jetzt auf einem Durchbruch bei der Suche nach globalen Strategien für nachhaltige Energiesysteme. Vormals als “Utopie” weniger, weltfremder Idealisten verschrien hat in der vergangenen Dekade ein Umbruch derart stattgefunden, dass inzwischen „harte“, belastbare und praxisbewährte Konzepte aus unterschiedlichen Sektoren auf dem Tisch liegen. So haben sich z.B. erneuerbare Technologien in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt, sowohl technisch als auch in Bezug auf Kostendegression, dagegen haben andere, vormals als klimafreundlich betrachtete Technologien die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt, wie z.B. die CO2-Abscheidetechnologie oder auch die Atomkraft.

Selbst eher konservative internationale Organisationen sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen und haben die Durchschlagskraft der Erneuerbaren erkannt. So stellt die Internationale Energieagen-tur (IEA) in ihrem jüngsten World Energy Outlook (2015) die zentrale Rolle der Erneuerbaren für eine nachhaltige Energieversorgung heraus; der Internationale Währungsfonds brandmarkt die fossilen Energiesysteme vieler Staaten und kritisiert erstmals die erheblichen Subventionen für fossile Energieträger (in Höhe von ca. 7 % des globalen Bruttosozialprodukts) und ermöglicht damit eine Bewertung der Erneuerbaren als „wohlfahrtssteigernd“. Gleichzeitig steigt die gesellschaftliche Wertschätzung für „100%-Erneuerbare“-Ansätze, nicht nur im Silicon Valley (Google, Apple, Stanford University Campus), sondern auch in breiten Kreisen der europäischen Zivilgesellschaft. Auch vormals konventionell ausgerichtete Energiekonzerne in Europa versuchen, durch Umstrukturierungen die Bürden der Vergangenheit loszuwerden und sich nachhaltigen Entwicklungsstrategien zuzuwenden.

Gleichzeitig verbleiben weiterhin wichtige Fragen bzgl. der Finanzierung, der Systemintegration, der infrastrukturellen Umsetzung sowie auch der politischen Durchsetzbarkeit, bzw. sind umstritten, sowohl in den westlichen Industrieländern als auch – in erheblich stärkerem Maße – in Schwellenlän-dern. Darüber hinaus sind gerade in den letztgenannten Ländern starke Kräfte gegen den Ausbau Erneuerbarer am Werk, welche auf den Erhalt fossiler Energieerzeugung sowie Atomkraft setzen.

Ziel des Workshops war es, das Paradigma „100%-Erneuerbare“ kritisch zu würdigen, dessen Relevanz für zukünftige Energie- und Klimapolitik zu prüfen sowie insbesondere einen Bezug zu laufenden oder zukünftigen Promotionsvorhaben der Heinrich-Böll-Stiftung herzustellen.

Zu den Ergebnissen des Workshops: 100 % Erneuerbare: Thesen und Forschungsagenda